12. März 2026
Blähbauch ist nicht gleich Blähbauch
Ein Symptom, das mir in der Praxis sehr häufig begegnet und sich in verschiedensten Facetten zeigen kann: ein aufgeblähter (teils schmerzhafter) Bauch
Die Jeans wird über den Tag immer unangenehmer, das Sitzen unbequem und der Druck im Bauch nimmt weiter zu. Manchmal bringt selbst der Gang zur Toilette keine Erleichterung.
Aber wie entsteht so ein Blähbauch? Und für Betroffene natürlich oft noch die spannendere Frage – Was kann man dagegen tun?
Grundsätzlich ist es ein natürlicher Prozess, dass in der Verdauung Gase entstehen. Insbesondere unsere Darmflora führt zu dieser Gasbildung. Nährstoffe, die wir nicht verdauen, werden von den Darmbakterien verstoffwechselt. Bei diesem Prozess entstehen Gase als Abbauprodukte, welche die Bakterien einfach im Darm freisetzen.
Die Darmschleimhaut kann diese Gase aufnehmen und ins Blut abgeben. Über das Blut werden diese an die Lungen weitertransportiert und dann von uns ausgeatmet. Von diesem genialen und automatischen Mechanismus bekommen wir gar nichts mit. Der zweite Weg ist für uns deutlich auffälliger. Hinter dem Fachbegriff „Flatulenzen“ versteckt sich der Mechanismus, dass die Gase den Darm durchlaufen und über den After entweichen – wir pupsen.
Nun können aber verschiedene Fälle eintreten, in denen diese Mechanismen nicht ausreicht. In der Praxis geht hier also die Detektiv-Arbeit los, um die Ursache zu finden.
Ein kurzer Überblick über mögliche Ursachen:
- Unsere Verdauungsleistung hat abgenommen. Dadurch wandern mehr unverdaute Nahrungsbestandteile weiter durch den Darm und werden von Bakterien verstoffwechselt
- Es siedeln sich Bakterien an, deren Stoffwechsel vermehrt zu Gasbildung führt. Allen voran sind das Proteolyten (Eiweiß-verdauende Bakterien) und Fäulnisbakterien, die eine Gärung auslösen. Diese Fehlbesiedlung kann im Dickdarm (hier befinden sich die meisten Bakterien) oder Dünndarm (sog. Dünndarm-Fehlbesiedlung oder SIBO) auftreten.
- Die Darmflora ist nicht optimal zusammengesetzt und die vorhandenen Bakterien sind mit den verfügbaren Ballaststoffen überfordert. Es kommt vermehrt zu schnellen Gärungsprozessen mit Gasbildung. (Das ist auch der Grund, warum Ballaststoffe bei einer Ernährungsumstellung immer langsam eingeschlichen werden sollten.)
- Der Darm ist in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Dadurch wird auch der Weitertransport des Nahrungsbreis und der Gase verlangsamt. Die Gase finden keinen Weg mehr nach draußen.
- Die Darmschleimhaut ist in ihrer Funktionsweise eingeschränkt (u.a. kommt hier häufig das Stichwort „Leaky Gut“ auf). Kann die Darmschleimhaut nicht mehr gut arbeiten, kann sie auch die Gase nur eingeschränkt an das Blut abgeben.
Häufig bedingen sich diese Ursachen auch gegenseitig und es kommt zu Wechselbeziehungen.
Für den mitdenkenden Leser resultieren daraus zwei Erkenntnisse:
- Ein einzelnes Heilmittel, das bei allen Betroffenen mit Blähbauch wirkt?
Eher schwierig bei so diversen Ursachen. - Der Ursachensuche etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken,
kann sich durchaus lohnen.
Genau das ist auch der Ansatz, den ich in meiner Praxisarbeit verfolge. Durch gezielte Fragen, Analyse der Alltagssituationen und eine gezielte Stuhluntersuchung können wir die tatsächlich vorliegenden Ursachen erkennen und gezielt reagieren.
Das nimmt natürlich einige Zeit in Anspruch. Kommen wir deshalb zur zweiten großen Frage:
Was kann ich gegen meinen Blähbauch tun?
Oder sollte die Frage eher lauten: Was kann ich FÜR meinen leidenden Darm tun?
Auch hier gibt es einige Möglichkeiten. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass diese Maßnahmen vor allem eine erste Linderung sind und ich gerade bei langanhaltenden Beschwerden sehr zu einem systematischen Vorgehen rate.
Um den Beschwerden und möglichen Auslösern auf die Schliche zu kommen, empfiehlt sich ein Ernährungs- und Symptom-Tagebuch für einige Tage. Das kann auch für eine mögliche spätere Therapie helfen, um erste Muster zu erkennen. Dir selbst kann es dabei helfen, mögliche Lebensmittel zu erkennen, die Blähungen begünstigen.
Wichtig ist dabei auch:
- Nicht nur die einzelnen Mahlzeiten zählen, sondern auch die Verknüpfung untereinander.
Wurde zum Beispiel bei mehreren Mahlzeiten Käse integriert, kann dies irgendwann in der Summe zu viel sein. - Gibt es weitere äußere Einflüsse? Zum Beispiel ein hohes Arbeitspensum oder private Sorgen?
- Treten die Beschwerden unmittelbar nach dem Essen auf oder zeitversetzt?
Du kannst dir gerne hier meine Vorlage für ein Ernährungstagebuch herunterladen und für eine Woche Protokoll führen.
Im akuten Fall, wenn du gerade mit einem Blähbauch kämpfst:
- Wärme durch Wärmflasche, Körnerkissen, aber zum Beispiel auch durch ein warmes Fußbad
Die Wärme hilft der angespannten Muskulatur, zu entspannen und kann insbesondere bei Schmerzen lindernd wirken. - Transdermales Magnesium (zum Beispiel von der Marktapotheke Greiff) auf dem Bauch einmassieren
Auch das Magnesium trägt zur Entspannung der Muskulatur bei. - Bauchmassage im Uhrzeigersinn
Unser Dickdarm läuft wie ein Kranz im Uhrzeigersinn von rechts unten seitlich nach oben, unter dem Rippenbogen nach links und dann an der Flanke nach unten, wo er schließlich in den Enddarm mündet.
Massierst du deinen Bauch im Uhrzeigersinn, unterstützt du dadurch die natürliche Fortbewegungsrichtung der Gase zum Entweichen. - Kräutertees mit Ingwer, Kamille, Fenchel und Anis
Diese Kräutertees unterstützen durch die Wirkung der enthaltenen Pflanzen die natürlichen Verdauungsfunktionen und wirken beruhigend und lindernd auf den Darm. - Bitterstoffe
Bitterstoffe kurz vor oder zu einer Mahlzeit regen die Verdauungsleistung an. Eine aktivierte Verdauung kann Blähungen vorbeugen und auch im Akutfall bereits bestehender Blähungen können Bitterstoffe den Darm dazu anregen, statt Stillstand in den Weitertransport zu wechseln.
